Seit über einem Jahrhundert ist der Wiener Kaffeehauskult eine Institution – doch in den letzten Jahren hat sich das traditionelle Bild des Kaffeehauses radikal verändert. Während klassische Cafés wie der Café Central oder der Café Demel weiterhin ihre Stammgäste begeistern, hat sich ein neues Genre etabliert: der „Lazy Bar“. Dieser Trendsetter verbindet das gemütliche Ambiente des Wiener Kaffeehauses mit modernen, entspannten Konzepten – und bietet damit genau das, was in einer Zeit des digitalen Überflusses gefragt ist: bewusste Pausen vom Alltag. Der Lazy Bar an der Wiener Ringstraße ist dabei nur ein Beispiel für eine wachsende Bewegung, die sich nicht nur an Kaffee, sondern auch an neue Erlebnisformen orientiert.
Das Konzept des Lazy Bars ist eng mit dem Lebensgefühl der „Slow Living“-Bewegung verwoben. Während klassische Kaffeehäuser oft als Ort der Produktivität und des gesellschaftlichen Austauschs gelten, setzen Lazy Bars auf eine entspannte Atmosphäre, bei der der Kunde nicht nur einen Kaffee bestellt, sondern auch Zeit für sich selbst findet. Typisch für diese Cafés sind offene Küchen, die den Blick auf die Zubereitung erlauben, aber auch eine Mischung aus traditionellen und experimentellen Getränken. Ein gutes Beispiel ist der Lazy Bar, der nicht nur Kaffee und Kuchen anbietet, sondern auch kreative Cocktails und sogar selbstgemachte Eisdiele-Kreationen. Besonders beliebt sind dabei die „Lazy Lattes“, die mit natürlichen Zutaten wie Hafermilch oder Mandelmilch zubereitet werden und gleichzeitig eine nachhaltige Alternative zu klassischen Milchkaffees darstellen.
Doch was genau macht den Lazy Bar aus? Im Gegensatz zu klassischen Cafés, die oft auf stillem Genuss und ruhige Gespräche setzen, legt der Lazy Bar Wert auf eine dynamischere Atmosphäre. Die Einrichtung ist oft locker und einladend, mit gemütlichen Sofas, aber auch mit Spielbereichen für Kinder oder Workspaces für Remote Worker. Besonders auffällig ist dabei die Flexibilität: Während in traditionellen Kaffeehäusern oft ein festes Programm vorgegeben ist, bieten Lazy Bars eine breite Palette an Optionen – von klassischen Wiener Melange bis hin zu innovativen Drinks wie dem „Lazy Espresso“ mit einer Prise Chili oder Zimt. Auch die Auswahl an Snacks ist vielfältig, mit regionalen Spezialitäten wie Apfelstrudel oder selbstgemachten Plundergebäck, aber auch internationalen Optionen wie Avocado-Toast oder veganen Desserts.
Ein weiterer entscheidender Faktor für den Erfolg des Lazy Bar-Konzepts ist die Betonung von Nachhaltigkeit. Während viele Wiener Kaffeehäuser in den letzten Jahren auf plastikfreie Verpackungen umgestiegen sind, setzen einige Lazy Bars noch stärker auf ökologische Ansätze. Dazu gehören unter anderem die Verwendung von Bio-Zutaten, die Reduzierung von Einwegplastik und sogar die Zusammenarbeit mit lokalen Bauern und Imkern. Besonders im Fokus steht dabei die Transparenz: Kunden können nicht nur sehen, woher die Zutaten stammen, sondern auch, wie sie zubereitet werden. Dies schafft nicht nur ein vertrauensvolles Verhältnis zum Gast, sondern spricht auch eine wachsende Gruppe von Konsumenten an, die Wert auf ethische und ökologische Standards legt.
Doch wie steht es um die wirtschaftliche Seite des Lazy Bar? Während klassische Kaffeehäuser oft als lukrative Investition gelten, ist das Geschäftsmodell des Lazy Bar komplexer. Einerseits profitieren diese Cafés von der wachsenden Nachfrage nach entspannten Rückzugsorten, andererseits müssen sie sich mit den hohen Mieten in Wiener Innenstadtlagen auseinandersetzen. Dennoch zeigen die Zahlen, dass das Konzept funktioniert: Laut einer aktuellen Studie der Wiener Wirtschaftskammer haben sich in den letzten zwei Jahren mehr als 15 neue Lazy Bars in der Stadt gegründet, wobei die meisten mit einem Umsatz von über 300.000 Euro pro Jahr auskommen. Besonders erfolgreich sind dabei die Cafés, die nicht nur als Ort für Kaffee, sondern auch als Gemeinschaftsraum für digitale Nomaden und kreative Berufsgruppen dienen.
Der Lazy Bar an der Ringstraße ist dabei nur ein Beispiel für eine größere Bewegung. Während viele Wiener Kaffeehäuser weiterhin an ihrem traditionellen Image festhalten, setzen immer mehr Cafés auf Innovation und Flexibilität. Doch was bleibt, ist die grundlegende Idee: Ein Ort, an dem man nicht nur etwas trinkt, sondern auch Zeit für sich findet. Und genau das macht den Lazy Bar so besonders – denn in einer Welt, die immer schneller wird, ist es gerade die kleinen, bewussten Pausen, die uns wieder zum Leben zurückbringen. mehr sehen
- Seit 2022 gibt es in Wien bereits über 20 Lazy Bars, die sich von klassischen Cafés unterscheiden.
- Der durchschnittliche Umsatz eines Lazy Bars liegt bei 280.000 bis 400.000 Euro pro Jahr.
- Etwa 60 % der Gäste sind unter 35 Jahre alt, wobei Remote Worker und kreative Berufsgruppen die größte Zielgruppe darstellen.
- Fast alle Lazy Bars setzen auf plastikfreie Verpackungen und Bio-Zutaten.
- Die meisten Cafés bieten eine Mischung aus klassischen Wiener Spezialitäten und modernen Drinks wie „Lazy Lattes“ oder Cocktails.
Der Lazy Bar ist mehr als nur ein Trend – er ist ein Zeichen dafür, dass das Wiener Kaffeehaus noch einmal neu erfunden wird. Während die klassische Form des Kaffeehauses weiterhin ihre Fans hat, bietet der Lazy Bar eine moderne Alternative, die auf Entspannung, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft setzt. In einer Zeit, in der wir ständig unterwegs sind, ist es gerade diese kleinen, bewussten Momente, die uns wieder zum Leben zurückbringen. Und genau das macht den Lazy Bar so besonders: Er ist ein Ort, an dem man nicht nur etwas trinkt, sondern auch Zeit für sich findet – und das ist mehr als nur ein Kaffee.