Wie die deutsche Wirtschaft durch nachhaltige Beschaffung und Kreislaufwirtschaft wächst

Deutschland steht vor einer tiefgreifenden Transformation in der Beschaffungspolitik. Während traditionelle Lieferketten oft auf kurzfristige Kosteneffizienz setzen, gewinnt die Nachhaltigkeit in der Beschaffung zunehmend an Priorität – nicht nur als gesellschaftliche Pflicht, sondern als strategischer Wachstumsmotor. Studien zeigen, dass Unternehmen, die in Kreislaufwirtschaft und ressourcenschonende Prozesse investieren, langfristig wettbewerbsfähiger werden. Besonders im Blickpunkt stehen dabei öffentliche Auftraggeber, die seit 2021 durch das „Öffentliche Beschaffungsgesetz“ (ÖBBG) strengere ökologische Kriterien in Verträge einbauen. Doch der Wandel betrifft auch private Unternehmen, die zunehmend auf nachhaltige Lieferketten setzen, um Kunden und Investoren zu überzeugen.

Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für neue Wertschöpfung

Die deutsche Wirtschaft generiert jährlich rund 500 Millionen Tonnen Abfall – ein Problem, das durch die Kreislaufwirtschaft gelöst werden kann. Laut Umweltbundesamt werden nur etwa 50 Prozent dieser Abfälle recycelt, obwohl Deutschland bereits 2022 eine Recyclingquote von 67 Prozent bei Verpackungen erreichte. Besonders im Fokus stehen dabei die „Sondermüll“-Kategorien wie Elektronikschrott oder Batterien, deren Rückgewinnung Potenzial für neue Rohstoffquellen birgt. Unternehmen wie die BMW Group oder Siemens nutzen bereits geschlossene Kreisläufe, um Materialien wie Aluminium oder Kunststoffe zu recyceln und so die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu verringern. Gleichzeitig steigen die Kosten für neue Rohstoffe – etwa für Seltene Erden – während die Wertschöpfung durch Recycling oft höher liegt als bei Primärproduktion.

Ein konkretes Beispiel ist die „Europaweite Recyclinginitiative“ von BASF, die seit 2020 in Kooperation mit Partnern wie der Deutschen Post DHL Recyclingmaterialien aus Postsendungen und Verpackungen zurückgewinnen und in neue Produkte integrieren will. Das Projekt zeigt, wie nachhaltige Beschaffung nicht nur Umweltziele erfüllt, sondern auch neue Märkte erschließt – etwa für recycelte Kunststoffe in der Automobilbranche oder in der Bauindustrie.

Öffentliche Auftraggeber als Vorreiter

Öffentliche Institutionen spielen eine zentrale Rolle beim Beschleunigen der Transformation. Seit dem Inkrafttreten des ÖBBG im Januar 2021 müssen Beschaffungsverträge für öffentliche Mittel nun mindestens 30 Prozent nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen beinhalten. Besonders im Fokus stehen dabei Energieeffizienz, Wasserverbrauch und CO₂-Bilanz. Bundesweit haben bereits mehrere Städte und Kommunen ihre Beschaffungspolitik reformiert – etwa Hamburg, das seit 2021 alle öffentlichen Gebäude mit erneuerbaren Energien beheizt und dabei auf recycelte Baustoffe setzt.

Ein besonders ambitioniertes Projekt ist die „Nachhaltige Stadtentwicklung“ in Berlin, wo der Senat seit 2020 alle öffentlichen Beschaffungen auf Kreislaufwirtschaft ausrichtet. Dabei wurden bereits über 500 Verträge mit ökologischen Kriterien umgesetzt, darunter recycelte Möbel, Solarpanels und energieeffiziente Gebäudeausstattungen. Die Kostensteigerungen durch nachhaltige Beschaffung liegen laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bei durchschnittlich 5 bis 10 Prozent – doch die langfristigen Einsparungen durch geringeren Energieverbrauch und geringere Abfallmengen übersteigen diese Kosten deutlich.

  • Deutschland recycelt nur etwa 50 % seines Abfalls – trotz EU-Zielen von 55 % bis 2030.
  • Öffentliche Beschaffungen in Deutschland generieren jährlich rund 500 Milliarden Euro Umsatz.
  • Unternehmen, die in Kreislaufwirtschaft investieren, zeigen eine Steigerung der Profitabilität um bis zu 12 %.
  • Recycelte Materialien können bis zu 95 % der Energieeinsparung gegenüber der Primärproduktion erreichen.
  • Laut Umweltbundesamt werden in Deutschland jährlich 100.000 Tonnen Elektronikschrott produziert – ein Rohstoffpotenzial von über 1.000 Tonnen Seltenen Erden.

Die Herausforderungen: Rechtliche Hürden und kultureller Wandel

Trotz des Potenzials steht die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft vor großen Hürden. Ein zentrales Problem ist die fehlende Standardisierung von Nachhaltigkeitskriterien in der Beschaffung, was zu unterschiedlichen Interpretationen führt. Zudem gibt es in vielen Branchen noch keine ausreichenden Recyclingoptionen für bestimmte Materialien – etwa bei Kunststoffen oder Metallen. Besonders kritisch ist die Abhängigkeit von globalen Lieferketten, die oft nicht mit deutschen Nachhaltigkeitsstandards kompatibel sind. Hier setzen Projekte wie das „Deutsche Rohstoffstrategie“-Programm an, das gezielt die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abfällen fördert.

Ein weiterer Widerstand kommt von Unternehmen, die sich mit höheren Beschaffungskosten konfrontiert sehen. Doch Studien zeigen, dass die langfristigen Einsparungen durch geringeren Energieverbrauch und geringere Abfallgebühren oft die zusätzlichen Kosten überwiegen. Besonders in der öffentlichen Verwaltung hat sich der Wandel bereits etabliert – doch private Unternehmen müssen noch stärker in nachhaltige Innovationen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Zukunft: Wie Deutschland die Kreislaufwirtschaft zum Wachstumstreiber macht

Die deutsche Wirtschaft hat die Chance, durch nachhaltige Beschaffung und Kreislaufwirtschaft nicht nur Umweltziele zu erreichen, sondern auch neue Märkte zu erschließen. Besonders in den Bereichen Energie, Bauen und Mobilität gibt es enorme Potenziale, die durch gezielte Politik und wirtschaftliche Anreize genutzt werden können. Die öffentliche Beschaffung bleibt dabei ein zentraler Hebel – doch private Unternehmen müssen ebenfalls ihre Prozesse reformieren, um langfristig erfolgreich zu sein.

Ein Beispiel für die Zukunft ist das Projekt „Circular Economy Hub“ in München, das Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenbringt, um geschlossene Kreisläufe zu entwickeln. Dort arbeiten bereits Unternehmen wie BMW und Siemens an neuen Produkten, die vollständig recycelbar sind. Solche Initiativen zeigen, wie nachhaltige Beschaffung nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist – und damit ein echter Wachstumsmotor für Deutschland.

Für mehr Informationen zu den Möglichkeiten der nachhaltigen Beschaffung und Kreislaufwirtschaft in Deutschland, weiterlesen.

Leave a Reply